Immunsystem stärken & testen in München: häufige Infekte richtig abklären
Sie sind ständig erkältet, Infekte dauern ungewöhnlich lange oder Sie möchten wissen, ob Ihr Immunsystem geschwächt ist?
Nicht jeder häufige Infekt bedeutet eine Immunschwäche. Entscheidend sind Häufigkeit, Dauer und Schwere der Erkrankungen, die vollständige Erholung dazwischen sowie mögliche Vorerkrankungen und Risikofaktoren.
In unserer Hausarztpraxis in München verbinden wir deshalb ärztliche Einordnung, gezielte Diagnostik und sinnvolle Prävention – statt pauschal möglichst viele Vitamine oder sogenannte Immun-Booster einzusetzen.
Häufige Infekte: Ist mein Immunsystem wirklich zu schwach?
Mehrere Atemwegsinfekte innerhalb eines Jahres können auch bei ansonsten gesunden Menschen vorkommen – insbesondere bei viel Kontakt zu anderen Menschen oder Kindern. Die Anzahl allein beweist deshalb keine Immunschwäche.
Interessanter wird das Muster: Wie schwer verlaufen die Infektionen? Wie lange dauern sie? Erholen Sie sich vollständig? Treten ungewöhnliche oder wiederholt bakterielle Infektionen auf?
Häufig – aber nicht automatisch auffällig
- mehrere typische Erkältungen im Jahr
- Infekte nach engem Kontakt mit Erkrankten
- vollständige Erholung zwischen den Episoden
- überwiegend unkomplizierte Verläufe
Wann genauer hinschauen?
- ungewöhnlich schwere oder langwierige Infektionen
- wiederkehrende bakterielle Infektionen
- auffällige Infektionen an mehreren Organsystemen
- fehlende vollständige Erholung
- ungewöhnliche Erreger oder Komplikationen
Nicht hinter jedem häufigen Infekt steckt ein Vitamin- oder Mineralstoffmangel. Je nach Beschwerden können Ernährung, Schlaf, Stress, Medikamente, chronische Erkrankungen, Eisenmangel oder andere medizinische Ursachen relevant sein. Deshalb ist eine gezielte Abklärung sinnvoller als eine pauschale Supplementierung.
Kann man das Immunsystem beim Hausarzt testen?
Ja – aber es gibt nicht den einen Blutwert, der zeigt, ob das Immunsystem „gut“ oder „schlecht“ ist. Eine sinnvolle Beurteilung beginnt deshalb mit der Frage, warum überhaupt getestet werden soll.
Entscheidend sind zunächst Häufigkeit, Art und Verlauf der Infektionen, Vorerkrankungen, Medikamente, Ernährung und weitere Beschwerden. Daraus ergibt sich, welche Untersuchungen tatsächlich sinnvoll sind.
1. Infektmuster
Wie häufig sind Sie krank? Welche Infektionen treten auf? Wie schwer verlaufen sie und werden Sie dazwischen wieder vollständig gesund?
2. Basisdiagnostik
Je nach Fragestellung können Blutbild, Entzündungswerte und weitere Laborparameter Hinweise auf mögliche Ursachen geben.
3. Gezielt erweitern
Nur bei begründetem Verdacht folgen speziellere Untersuchungen, beispielsweise Immunglobuline oder eine weiterführende immunologische Diagnostik.
Ein sogenannter „Immunstatus“ ist kein einzelner Standardtest. Welche Laborwerte sinnvoll sind, hängt von der konkreten medizinischen Fragestellung ab.
Welche Blutwerte können bei häufigen Infekten sinnvoll sein?
Nicht jeder Mensch mit häufigen Erkältungen benötigt ein großes Speziallabor. Die Diagnostik sollte sich an Beschwerden, Vorgeschichte und klinischem Befund orientieren.
Häufig sinnvolle Basisdiagnostik
- Blutbild: unter anderem Leukozyten sowie rote Blutkörperchen und Thrombozyten
- Differenzialblutbild: genauere Verteilung verschiedener weißer Blutkörperchen
- CRP: bei akuter Fragestellung als Entzündungsparameter
- Ferritin/Eisenstatus: bei Müdigkeit, Leistungsminderung oder entsprechendem Risiko
- Vitamin B12/Folat: bei passender klinischer Fragestellung
Je nach Situation zusätzlich
- 25-OH-Vitamin D: bei entsprechender Risikokonstellation oder Verdacht auf Mangel
- Zink oder Selen: nicht als pauschaler „Immuncheck“, sondern bei konkreter Fragestellung
- Leber- und Nierenwerte: abhängig von Beschwerden, Erkrankungen und Medikamenten
- Blutzucker/HbA1c: bei entsprechenden Risikofaktoren
- TSH: wenn Beschwerden auch zu einer Schilddrüsenstörung passen
Mehr Labor bedeutet nicht automatisch mehr Erkenntnis. Sinnvoll ist eine Untersuchung dann, wenn ein Ergebnis eine medizinische Frage beantwortet und Konsequenzen für Beratung, weitere Diagnostik oder Behandlung hat.
Immunstatus bestimmen – was bedeutet das medizinisch?
Der Begriff „Immunstatus“ wird sehr unterschiedlich verwendet. Manchmal ist damit lediglich ein allgemeiner Laborcheck gemeint, manchmal eine gezielte Untersuchung des Immunsystems bei Verdacht auf eine Störung der Immunabwehr.
Bei wiederkehrenden oder ungewöhnlich schweren Infektionen kann beispielsweise geprüft werden, ob Hinweise auf eine Störung der humoralen oder zellulären Immunabwehr bestehen.
Immunglobuline
Bei begründetem Verdacht können unter anderem IgG, IgA und IgM bestimmt werden. Auffällige Werte müssen immer im klinischen Zusammenhang interpretiert werden.
Weiterführende Immunologie
Spezielle Untersuchungen – etwa von Lymphozytensubpopulationen, spezifischen Antikörperantworten oder weiteren Komponenten des Immunsystems – sind keine Routineuntersuchungen bei jeder Erkältung.
Bei entsprechendem Verdacht erfolgt die weitere Abklärung gezielt beziehungsweise in Zusammenarbeit mit spezialisierten Fachbereichen.
Vitamin D, Zink, Selen oder Vitamin B12 können für verschiedene Körperfunktionen relevant sein. Aus diesen Werten allein lässt sich jedoch keine normale oder gestörte Immunfunktion diagnostizieren.
Woran erkennt man eine mögliche Immunschwäche?
Eine echte Störung der Immunabwehr ist etwas anderes als das Gefühl, „ständig erkältet“ zu sein. Verdächtig kann insbesondere ein ungewöhnliches Muster von Infektionen sein.
Mögliche Warnhinweise
- wiederkehrende schwere bakterielle Infektionen
- wiederholte Lungenentzündungen oder andere tiefe Infektionen
- ungewöhnliche oder opportunistische Erreger
- ungewöhnlich langwierige oder therapieresistente Verläufe
- Infektionen mit wiederholten Komplikationen
Häufigere andere Erklärungen
- hohe berufliche oder familiäre Infektexposition
- Schlafmangel und chronische Belastung
- Rauchen oder chronische Atemwegserkrankungen
- bestimmte Medikamente oder Grunderkrankungen
- unzureichende Regeneration zwischen Infekten
Erkrankungen wie ein Antikörpermangelsyndrom oder eine Common Variable Immunodeficiency (CVID) sind spezielle Diagnosen. Sie lassen sich weder anhand häufiger Erkältungen noch anhand eines einzelnen Laborwerts feststellen.
Besteht aufgrund der Krankengeschichte und der Befunde ein entsprechender Verdacht, ist eine strukturierte weiterführende Diagnostik erforderlich.
Was stärkt das Immunsystem wirklich?
Ein gesundes Immunsystem lässt sich nicht mit einem einzelnen Lebensmittel, Vitamin oder „Booster“ hochregeln. Entscheidend ist vielmehr, dass der Körper dauerhaft gute Voraussetzungen für eine normale Immunfunktion hat.
Besonders relevant sind ausreichender Schlaf, regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, Regeneration, Impfungen und der Ausgleich tatsächlich vorhandener Mängel.
😴 Schlaf
Ausreichender und regelmäßiger Schlaf unterstützt zahlreiche Prozesse der Immunregulation. Dauerhafter Schlafmangel kann dagegen die Immunantwort beeinträchtigen.
🥦 Ernährung
Eine abwechslungsreiche Ernährung liefert Eiweiß, Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe und weitere Nährstoffe, die der Körper für normale Immunfunktionen benötigt.
🚶 Bewegung
Regelmäßige moderate körperliche Aktivität ist Bestandteil eines gesundheitsförderlichen Lebensstils. Entscheidend ist Kontinuität statt maximaler Belastung.
🧘 Regeneration
Dauerhafte körperliche und psychische Belastung kann Schlaf, Ernährung und Erholung beeinträchtigen. Regelmäßige Pausen und Erholungsphasen gehören deshalb zur Prävention.
💉 Impfstatus
Impfungen trainieren die spezifische Immunantwort gegen bestimmte Erreger. Der Impfpass sollte deshalb regelmäßig anhand der aktuellen Empfehlungen überprüft werden.
🔬 Mängel gezielt behandeln
Besteht tatsächlich ein relevanter Nährstoffmangel, sollte dieser gezielt behandelt werden. Mehr ist dabei nicht automatisch besser.
Ziel ist nicht ein möglichst „starkes“ oder dauerhaft aktiviertes Immunsystem. Medizinisch sinnvoll ist eine angemessene und regulierte Immunantwort.
Schlaf und Immunsystem: Erholung ist Teil der Abwehr
Schlaf und Immunfunktion beeinflussen sich gegenseitig. Wer dauerhaft zu wenig oder sehr unregelmäßig schläft, nimmt dem Körper wichtige Regenerationszeit.
- möglichst regelmäßige Schlafenszeiten
- für Erwachsene häufig etwa 7–9 Stunden Schlaf als Orientierung
- Alkohol nicht als Einschlafhilfe nutzen
- Koffein am späten Tag bei empfindlichen Menschen reduzieren
- bei anhaltenden Schlafproblemen die Ursache klären
Wenn Sie noch deutlich erschöpft sind, ist die vollständige Erholung wichtiger als ein möglichst schneller Wiedereinstieg in das volle Trainings- oder Arbeitspensum.
Ernährung für eine normale Immunfunktion
Für die Immunabwehr benötigt der Körper Energie, Eiweiß und zahlreiche Mikronährstoffe. Entscheidend ist deshalb nicht ein einzelnes „Immun-Lebensmittel“, sondern die Versorgung insgesamt.
Im Alltag sinnvoll
- Gemüse und Obst abwechslungsreich auswählen
- ausreichend Eiweiß zuführen
- Vollkornprodukte und ballaststoffreiche Lebensmittel
- Nüsse, Samen und Hülsenfrüchte nach Verträglichkeit
- ausreichend trinken
Was Nahrungsergänzung nicht ersetzt
Eine unausgewogene Ernährung lässt sich nicht einfach durch möglichst viele Kapseln oder hoch dosierte Präparate ausgleichen.
Besteht ein konkreter Mangel oder ein erhöhtes Risiko, kann eine gezielte Supplementierung dagegen sinnvoll sein.
Darm und Immunsystem stehen in engem Austausch. Eine ballaststoffreiche, abwechslungsreiche Ernährung unterstützt ein vielfältiges Darmmikrobiom. Daraus folgt jedoch nicht, dass einzelne Probiotika oder „Darmkuren“ pauschal Infekte verhindern.
Bewegung und Immunfunktion
Regelmäßige Bewegung gehört zu einem gesundheitsförderlichen Lebensstil und wirkt sich unter anderem auf Herz-Kreislauf-System, Stoffwechsel, Schlaf und psychisches Wohlbefinden aus.
Für die meisten Menschen ist regelmäßige moderate Aktivität sinnvoller als seltene extreme Belastungen.
Ausdauer
Spaziergänge, Radfahren oder andere moderate Aktivitäten regelmäßig in den Alltag integrieren.
Kraft
Regelmäßiges Krafttraining unterstützt unter anderem Muskelmasse, Stoffwechsel und körperliche Belastbarkeit.
Nach Infekten
Bei Fieber und deutlichem Krankheitsgefühl gehört Sport pausiert. Der Wiedereinstieg sollte nach Erholung schrittweise erfolgen.
Stress, Cortisol und häufige Infekte
Kurzfristiger Stress gehört zum normalen Leben. Problematischer wird eine dauerhafte Belastung, wenn gleichzeitig Schlaf, Bewegung, Ernährung und Erholung zu kurz kommen.
Bei Patientinnen und Patienten mit wiederkehrenden Infekten lohnt sich deshalb häufig auch ein Blick auf den Alltag: Wie viel Schlaf bleibt? Gibt es echte Erholungsphasen? Besteht dauerhafter beruflicher oder privater Stress?
- regelmäßige Pausen einplanen
- Bewegung als Ausgleich nutzen
- Schlaf priorisieren
- dauerhafte Überlastung ernst nehmen
Kann man Cortisol einfach „wegsenken“?
Cortisol ist ein lebenswichtiges Hormon und nicht grundsätzlich schädlich. Entscheidend sind Regulation und Tagesrhythmus.
Ein einzelner Cortisolwert ist deshalb auch kein allgemeiner Test dafür, ob Stress das Immunsystem „geschwächt“ hat.
Atemwege schützen: Exposition zählt ebenfalls
Selbst ein gesundes Immunsystem kann eine Infektion nicht immer verhindern. Wie häufig wir mit Atemwegserregern in Kontakt kommen, spielt ebenfalls eine wichtige Rolle.
Hände
Regelmäßiges Händewaschen ist insbesondere vor dem Essen und nach relevanten Kontakten sinnvoll.
Lüften
In stark belegten Innenräumen kann regelmäßiges Lüften die Konzentration respiratorischer Partikel reduzieren.
Rauchen
Tabakrauch schädigt die Atemwege und beeinträchtigt lokale Schutzmechanismen. Rauchstopp ist deshalb ein wichtiger präventiver Schritt.
Bei akuten Beschwerden wie Husten, Fieber oder Halsschmerzen geht es zunächst um die aktuelle Erkrankung – nicht um einen pauschalen „Immunaufbau“.
Vitamin D, Zink & Selen: Was braucht das Immunsystem?
Für eine normale Immunfunktion benötigt der Körper verschiedene Vitamine und Mineralstoffe. Dazu gehören unter anderem Vitamin D, Zink und Selen.
Daraus folgt jedoch nicht, dass möglichst hohe Blutwerte oder hohe Dosierungen automatisch vor Infekten schützen. Entscheidend ist eine ausreichende Versorgung und die gezielte Behandlung eines tatsächlich vorhandenen Mangels.
Vitamin D
Vitamin D ist an der Regulation verschiedener Immunprozesse beteiligt. Ein Mangel sollte erkannt und entsprechend der individuellen Situation behandelt werden.
Eine hoch dosierte Einnahme ohne Kenntnis des Ausgangswerts ist dagegen nicht automatisch sinnvoll.
Mehr zu Vitamin D →Zink
Zink wird unter anderem für Zellteilung, Wundheilung und eine normale Funktion des Immunsystems benötigt.
Eine längerfristige hoch dosierte Einnahme kann jedoch unerwünschte Effekte haben und beispielsweise den Kupferstoffwechsel beeinflussen.
Zink: Blutwert, Mangel & Ernährung →Selen
Selen ist Bestandteil verschiedener Selenoproteine und spielt unter anderem bei antioxidativen Prozessen und der normalen Immunfunktion eine Rolle.
Auch hier gilt: Eine unnötig hohe Zufuhr ist nicht besser. Bei entsprechender Fragestellung kann der Status labormedizinisch beurteilt werden.
Selen: Blutwert, Versorgung & Mangel →Sie sind notwendige Bestandteile normaler Körperfunktionen. Bei ausreichender Versorgung bedeutet eine zusätzliche hohe Zufuhr nicht automatisch eine stärkere Immunabwehr.
Einen Überblick über Zink, Selen und weitere Mineralstoffe finden Sie in unserem Spurenelemente-Hub .
Ständig müde und häufig krank: Welche Mängel kommen infrage?
Müdigkeit, Leistungsminderung und das Gefühl, sich nach Infekten nur langsam zu erholen, werden häufig als Zeichen eines „schwachen Immunsystems“ interpretiert.
Die Beschwerden sind jedoch unspezifisch. Je nach Situation können beispielsweise Eisenmangel, Vitamin-B12-Mangel, Schilddrüsenerkrankungen oder andere Ursachen eine Rolle spielen.
Eisen & Ferritin
Ein Eisenmangel kann Müdigkeit und Leistungsminderung verursachen. Entscheidend sind Beschwerden und die passende Labordiagnostik.
Mehr zu Eisenmangel →Vitamin B12 & Folat
Ein Mangel kann unter anderem Blutbildung und Nervensystem beeinträchtigen. Die Wahrscheinlichkeit hängt beispielsweise von Ernährung, Resorption und Medikamenten ab.
Schilddrüse & Stoffwechsel
Erschöpfung und Leistungsminderung können zahlreiche Ursachen haben. Deshalb sollte die Diagnostik zur individuellen Situation passen, statt ausschließlich nach Vitaminen zu suchen.
Diese Frage lässt sich nicht mit einem einzelnen Laborwert beantworten. Ein Mangel kann relevant sein, häufige Infekte können aber ebenso andere Ursachen haben. Anamnese und gezielte Diagnostik gehören deshalb zusammen.
Welche Nahrungsergänzung stärkt das Immunsystem?
Für Menschen mit einer ausreichenden Nährstoffversorgung gibt es keine universelle Kombination aus Vitamin D, Vitamin C, Zink, Selen oder anderen Präparaten, die zuverlässig sämtliche Atemwegsinfekte verhindert.
Nahrungsergänzung ist besonders dann nachvollziehbar, wenn ein Mangel, eine unzureichende Zufuhr oder ein erhöhtes Risiko besteht.
Wann kann Ergänzung sinnvoll sein?
- nachgewiesener Mangel
- unzureichende Zufuhr über die Ernährung
- erhöhter Bedarf in bestimmten Situationen
- Resorptionsstörungen oder relevante Erkrankungen
- bestimmte Medikamente oder Ernährungsformen
Was wir vermeiden möchten
- Megadosen ohne klare Indikation
- mehrere Präparate mit denselben Inhaltsstoffen
- dauerhafte Einnahme ohne Überprüfung
- Behandlung von Infekten ausschließlich mit Supplementen
- Laborwerte möglichst hoch „optimieren“
Wann sind Vitamin- oder Mikronährstoff-Infusionen sinnvoll?
Eine intravenöse Gabe ist nicht automatisch wirksamer oder medizinisch sinnvoller als eine orale Behandlung. Entscheidend sind Substanz, Ursache des Mangels, Ausprägung, Resorption und individuelle Situation.
Bei bestimmten medizinischen Indikationen kann eine intravenöse Behandlung sinnvoll sein. In anderen Situationen reicht eine orale Substitution vollständig aus.
Wir setzen Infusionen nicht als pauschale „Immun-Aufbaukur“ für jeden Patienten ein. Vor einer Behandlung sollte geklärt werden, welches Problem überhaupt behandelt werden soll.
Impfungen: gezielter Schutz statt unspezifischer „Immunstärkung“
Impfungen unterscheiden sich grundsätzlich von allgemeinen Maßnahmen zur Unterstützung der Gesundheit: Sie bereiten die spezifische Immunabwehr gezielt auf bestimmte Erreger beziehungsweise deren Bestandteile vor.
Deshalb gehört ein aktueller Impfstatus zu einer strukturierten Präventionsstrategie – insbesondere bei höherem Alter, bestimmten Vorerkrankungen oder erhöhtem Expositionsrisiko.
Basisimpfungen
Auffrischungen und Standardimpfungen entsprechend Alter, Vorgeschichte und aktuellen Empfehlungen überprüfen.
Saisonale Impfungen
Influenza und weitere saisonal relevante Impfungen werden abhängig von Alter und individueller Risikosituation beurteilt.
Impfpass-Check
Fehlende oder überfällige Impfungen lassen sich häufig bei einem einzigen strukturierten Impfpass-Check erkennen.
Das sind zwei unterschiedliche Fragestellungen. Bei einem akuten Atemwegsinfekt steht zunächst die aktuelle Erkrankung im Vordergrund. Bei wiederkehrenden oder ungewöhnlichen Infektionen lohnt sich dagegen die strukturierte Ursachenabklärung.
FAQ: Immunsystem testen, stärken & häufige Infekte
Viele Fragen wiederholen sich in unserer hausärztlichen Sprechstunde. Hier finden Sie die wichtigsten Antworten kompakt zusammengefasst.
Kann man das Immunsystem beim Hausarzt testen?
Ja – allerdings gibt es nicht den einen „Immunsystem-Test“. Sinnvoll ist zunächst die ärztliche Einordnung von Häufigkeit, Art und Verlauf der Infektionen. Abhängig davon können beispielsweise Blutbild, Differenzialblutbild, Entzündungswerte und weitere Laboruntersuchungen sinnvoll sein.
Welche Blutwerte zeigen eine Immunschwäche?
Ein einzelner Blutwert kann eine Immunschwäche weder sicher bestätigen noch ausschließen. Je nach Fragestellung können Blutbild und Differenzialblutbild erste Hinweise liefern. Bei begründetem Verdacht kommen beispielsweise Immunglobuline oder weiterführende immunologische Untersuchungen infrage.
Was bedeutet „Immunstatus bestimmen“?
Der Begriff wird unterschiedlich verwendet. Medizinisch sollte sich die Untersuchung an einer konkreten Fragestellung orientieren. Ein Vitamin- oder Mineralstoffstatus allein ist nicht mit einer Untersuchung der Immunfunktion gleichzusetzen.
Ich bin ständig erkältet – welcher Mangel kann dahinterstecken?
Nicht hinter jedem häufigen Infekt steckt ein Vitamin- oder Mineralstoffmangel. Je nach Beschwerden können beispielsweise Eisenmangel oder andere Ernährungs- und Stoffwechselprobleme relevant sein. Ebenso wichtig sind Infektexposition, Schlaf, Stress, Medikamente und bestehende Erkrankungen.
Woran erkenne ich ein geschwächtes Immunsystem?
Häufige Erkältungen allein beweisen keine Immunschwäche. Auffälliger können ungewöhnlich schwere oder langwierige Infektionen, wiederkehrende bakterielle Infektionen, ungewöhnliche Erreger, wiederholte Komplikationen oder eine unvollständige Erholung zwischen den Erkrankungen sein.
Was kann ich tun, um mein Immunsystem zu stärken?
Sinnvoll sind vor allem ausreichender Schlaf, regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, Regeneration, Nichtrauchen, ein aktueller Impfstatus und die gezielte Behandlung tatsächlich vorhandener Mängel. Ein einzelnes Präparat kann diese Grundlagen nicht ersetzen.
Welche Vitamine sind für das Immunsystem wichtig?
Für eine normale Immunfunktion benötigt der Körper zahlreiche Nährstoffe. Dazu gehören unter anderem Vitamin D, Zink und Selen. Entscheidend ist eine ausreichende Versorgung – nicht ein möglichst hoher Blutwert oder eine möglichst hohe Dosierung.
Sind Vitamininfusionen zur Immunstärkung sinnvoll?
Nicht pauschal. Eine intravenöse Behandlung kann bei bestimmten medizinischen Indikationen sinnvoll sein. In vielen Situationen ist eine orale Behandlung ausreichend. Deshalb sollte zunächst geklärt werden, welches Problem oder welcher Mangel behandelt werden soll.
Wann sollte ich häufige Infekte ärztlich abklären lassen?
Eine Abklärung ist insbesondere sinnvoll, wenn Infektionen ungewöhnlich schwer oder langwierig verlaufen, wiederholt Komplikationen auftreten, ungewöhnliche Erreger beteiligt sind oder Sie sich zwischen den Erkrankungen nicht vollständig erholen.
Bin ich nach einem Infekt länger müde – ist das eine Immunschwäche?
Nicht automatisch. Erschöpfung kann nach Infektionen noch eine Zeit lang bestehen. Entscheidend ist unter anderem, ob eine kontinuierliche Besserung eintritt. Bei ausgeprägter, zunehmender oder ungewöhnlich lange anhaltender Erschöpfung sollte die Ursache ärztlich beurteilt werden.
Quellen & weiterführende Fachinformationen
Empfehlungen zu Ernährung, Mikronährstoffen und Prävention sollten nicht auf einzelnen „Immun-Boostern“ beruhen. Für die medizinische Einordnung orientieren wir uns an Fachinformationen und wissenschaftlicher Literatur.
Immunsystem – medizinische Grundlagen
Überblick über angeborene und erworbene Immunabwehr, Immunzellen und immunologische Grundlagen.
DocCheck Flexikon: ImmunsystemVitamin D & Atemwegsinfektionen
Wissenschaftliche Literatur zum Zusammenhang zwischen Vitamin-D-Supplementierung und akuten Atemwegsinfektionen.
PubMed: Martineau et al., BMJZink & Immunfunktion
Überblick über die physiologische Bedeutung von Zink für verschiedene Komponenten der Immunfunktion.
PubMed: Zinc in Human HealthSelen & Immunfunktion
Wissenschaftlicher Hintergrund zu Selen, Selenoproteinen und Immunfunktion.
PubMed: Selenium and immune functionDass ein Vitamin oder Mineralstoff für die normale Immunfunktion notwendig ist, bedeutet nicht automatisch, dass zusätzliche hohe Dosierungen bei bereits ausreichender Versorgung Infektionen verhindern.
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Was Sie mitbringen können
- vorhandene Laborbefunde
- Medikamentenliste
- Impfpass
- relevante Arzt- oder Krankenhausberichte
Ärztliche Einordnung
Autor: Dr. med. Gernot Brockmann, Facharzt für Allgemeinmedizin
Hausarztpraxis am Romanplatz · München
Zuletzt medizinisch überarbeitet: 22.09.2026
Die Informationen auf dieser Seite dienen der allgemeinen medizinischen Information und ersetzen keine individuelle Untersuchung, Diagnose oder Behandlung.
Für eine normale Immunfunktion sind unter anderem Zink und Selen relevant. Entscheidend ist nicht eine möglichst hohe Zufuhr, sondern eine passende Versorgung im Gesamtkontext.
Mehr zu Zink, Selen und weiteren Mineralstoffen: Spurenelemente, Blutwerte und Ernährung im Überblick .