Leberwerte verstehen und sinnvoll einordnen

Schlechte Leberwerte: Gamma-GT, GPT, GOT und Fettleber verständlich erklärt

Schlechte Leberwerte werden häufig zufällig bei einem Check-up entdeckt. Auf dem Laborzettel stehen dann Begriffe wie Gamma-GT, GPT, GOT, AP oder Bilirubin – und schnell entsteht die Sorge vor Alkoholschäden, einer Fettleber oder einer schweren Lebererkrankung.

Meine wichtigste Botschaft lautet: Ein auffälliger Leberwert ist zunächst ein Hinweis, noch keine Diagnose. Er sagt nicht automatisch, dass die Leber versagt oder dauerhaft geschädigt ist. Er zeigt zunächst, dass Leberzellen oder Gallenwege auf etwas reagieren. Entscheidend ist, welcher Wert erhöht ist, wie stark, seit wann und in welchem klinischen Zusammenhang.

Nicht automatisch Alkohol Statine mitdenken Fettleber häufig Höhe und Verlauf zählen Die Leber liebt Proteine
Schlechte Leberwerte mit Gamma-GT, GPT und GOT verständlich erklärt
Leberwerte sind Hinweise. Erst Muster, Höhe, Beschwerden und Verlauf ergeben ein sinnvolles Gesamtbild.
Mein Merksatz für Patienten: Ich behandle nicht den Laborzettel, sondern den Menschen. Ein GPT-Wert knapp über dem Referenzbereich ist etwas anderes als ein zehnfach erhöhter Wert mit Gelbsucht, dunklem Urin oder Gerinnungsstörung.

Wann ist eine hausärztliche Besprechung sinnvoll?

Besonders sinnvoll ist sie, wenn mehrere Leberwerte auffällig sind, die Werte im Verlauf steigen, Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel infrage kommen, Beschwerden bestehen oder eine Fettleber vermutet wird.

Häufig reicht eine strukturierte Einordnung mit Medikamentencheck, Verlaufslabor und gegebenenfalls Ultraschall. Manchmal ist aber auch eine rasche weiterführende Diagnostik erforderlich.

Welche Leberwerte sind wichtig?

Der Begriff „Leberwerte“ ist etwas ungenau. Manche Werte zeigen vor allem eine Reizung oder Schädigung von Zellen, andere eher einen Gallenstau und wieder andere geben Hinweise auf die tatsächliche Leistungsfähigkeit der Leber.

Deshalb sollte man nicht alle Werte in einen Topf werfen. Ein erhöhter GPT-Wert bedeutet etwas anderes als eine erhöhte alkalische Phosphatase oder ein auffälliges Bilirubin.

Wert Was er eher anzeigt Typische Zusammenhänge
GPT / ALT Freisetzung aus Leberzellen; relativ leberbezogen Fettleber, Entzündung, Virushepatitis, Medikamente, toxische Belastung
GOT / AST Zellschädigung, aber nicht nur aus der Leber Lebererkrankung, Muskelbelastung, Muskelschaden, seltener andere Organe
Gamma-GT / GGT Empfindliche Reaktion von Leber und Gallenwegen Fettleber, Alkohol, Medikamente, Enzyminduktion, Gallenwegsprobleme
AP Eher cholestatisches Muster; zusätzlich Knochenursprung möglich Gallenstau, Erkrankungen der Gallenwege, Knochenstoffwechsel
Bilirubin Verarbeitung und Ausscheidung eines Abbauprodukts Gallenabflussstörung, Hämolyse, Lebererkrankung, Gilbert-Syndrom
Albumin, INR / Quick Syntheseleistung der Leber Vor allem bei fortgeschrittenen oder akuten schweren Verläufen relevant
Wichtig: GPT, GOT und Gamma-GT werden oft als „Leberfunktionswerte“ bezeichnet. Streng genommen zeigen sie aber vor allem Zellreaktion, Zellfreisetzung oder Enzyminduktion. Für die eigentliche Leberfunktion sind unter anderem Bilirubin, Albumin und Gerinnung besonders wichtig.

Wie hoch ist eigentlich zu hoch?

Genau diese Frage ist im Alltag häufig wichtiger als das bloße Wort „erhöht“. Ein Laborwert knapp oberhalb der Referenzgrenze hat eine andere Bedeutung als ein Wert, der fünf-, zehn- oder zwanzigfach erhöht ist.

Auch das Muster zählt: Ist nur Gamma-GT auffällig? Sind GPT und GOT deutlich erhöht? Steigen AP und Bilirubin gleichzeitig? Kommen Beschwerden hinzu? Und wie haben sich die Werte im Verlauf entwickelt?

1Leichte Erhöhung

Werte bis ungefähr zum Zwei- oder Dreifachen der jeweiligen oberen Referenzgrenze sind häufig kontrollbedürftig, aber nicht automatisch gefährlich.

Typische Ursachen sind Fettleber, Medikamente, Alkohol, ein Infekt, körperliche Belastung oder vorübergehende Schwankungen.

2Deutlichere Erhöhung

Mehrfach erhöhte Transaminasen benötigen eine gezieltere Abklärung. Je höher die Werte, je schneller der Anstieg und je mehr Parameter gleichzeitig betroffen sind, desto wichtiger werden Anamnese, Untersuchung, Verlauf und Ultraschall.

3Warnkonstellation

Besonders ernst ist nicht nur die Enzymhöhe, sondern die Kombination mit Gelbsucht, erhöhtem Bilirubin, Gerinnungsstörung, Bewusstseinsveränderung, starkem Krankheitsgefühl oder rascher Verschlechterung.

4Der Verlauf

Ein einmaliger Wert ist eine Momentaufnahme. Oft zeigt erst die Kontrolle, ob sich der Befund normalisiert, stabil bleibt oder weiter ansteigt.

Der wichtigste Satz: Ein hoher Leberenzymwert bedeutet nicht automatisch, dass die Leber „schlecht arbeitet“. Er zeigt zunächst, dass Enzyme vermehrt im Blut messbar sind. Ob dahinter eine harmlose Reaktion, eine Zellschädigung, eine Enzyminduktion oder eine relevante Erkrankung steckt, entscheidet der Gesamtzusammenhang.

Normwerte sind keine harte Grenze zwischen gesund und krank

Patienten erleben Laborreferenzen häufig wie eine rote Linie: darunter gesund, darüber krank. So funktionieren Referenzbereiche aber nicht.

Sie sind statistische Vergleichsbereiche, hängen von Messmethode, Labor, Geschlecht, Alter und untersuchter Referenzgruppe ab und können sich zwischen Laboren unterscheiden.

Viele klassische Grenzwerte wurden vor Jahrzehnten aus Bevölkerungsgruppen abgeleitet, die nach heutigen Maßstäben nicht immer ideal zusammengesetzt oder auf unerkannte Fettleber, Stoffwechselerkrankungen und andere Einflussfaktoren untersucht waren.

Deshalb wird bis heute darüber diskutiert, welche Obergrenzen beispielsweise für GPT wirklich sinnvoll sind.

So erkläre ich es in der Praxis: Die bekannten Normbereiche haben eine Geschichte. Manche wurden ursprünglich aus vergleichsweise kleinen und wenig repräsentativen Gruppen abgeleitet, häufig mit einem hohen Anteil jüngerer Männer. Das lässt sich nicht pauschal auf jeden heutigen Laborwert übertragen – es zeigt aber, warum ein Referenzwert keine absolute Naturkonstante ist.

Für die medizinische Entscheidung zählt deshalb nicht nur, ob ein Wert mit einem Sternchen markiert ist. Wichtiger sind Ausgangswert, individuelle Risiken, Beschwerden, Begleitwerte, Medikamentenliste und Verlauf.

Medikamente und Statine: häufig mitdenken, aber nicht vorschnell absetzen

Medikamente gehören bei auffälligen Leberwerten immer auf den Prüfstand. Dazu zählen verschreibungspflichtige Arzneimittel ebenso wie frei verkäufliche Schmerzmittel, pflanzliche Produkte, Teemischungen, Nahrungsergänzung und sogenannte Detox-Präparate.

Cholesterinsenker und Statine

In meiner Praxis sehe ich nicht selten leichte Transaminasenanstiege unter Statinen. Das kann zeitlich zusammenpassen und sollte ernst genommen werden.

Gleichzeitig sind leichte Erhöhungen häufig vorübergehend und bedeuten nur selten eine klinisch relevante Leberschädigung.

Deshalb gilt: Statine nicht eigenständig absetzen. Entscheidend sind Höhe, Beschwerden, Bilirubin, Verlauf, Nutzen des Statins und alternative Ursachen – insbesondere eine gleichzeitig bestehende Fettleber.

Schmerzmittel und Antibiotika

Bestimmte Schmerzmittel, Antibiotika und andere Medikamente können Leberwerte beeinflussen.

Relevant sind Dosierung, Einnahmedauer, zeitlicher Zusammenhang und Kombinationen. Auch eine korrekte Standarddosis kann bei einzelnen Menschen problematisch sein.

Nahrungsergänzung und „natürlich“

„Natürlich“ ist kein Synonym für „leberschonend“. Gerade Mischpräparate enthalten oft viele Wirk- und Hilfsstoffe.

Je unübersichtlicher die Zusammensetzung, desto schwieriger ist es, bei auffälligen Werten einen Auslöser zu erkennen.

Praktisches Vorgehen: Alle Medikamente, Tropfen, Pulver, Tees und Nahrungsergänzungsmittel vollständig auflisten – auch Produkte, die nicht als „Medikament“ empfunden werden. Danach wird entschieden, ob Kontrolle, Dosisanpassung, Austausch oder weitere Diagnostik sinnvoll ist.

Mariendistel: Warum ich heute vorsichtiger bin

Früher habe ich Mariendistelpräparate bei auffälligen Leberwerten häufiger empfohlen. Heute bin ich zurückhaltender.

Nicht, weil Mariendistel grundsätzlich „schlecht“ wäre, sondern weil frei verkäufliche Präparate sehr unterschiedlich zusammengesetzt sind und die tatsächliche Ursache der erhöhten Werte dadurch leicht aus dem Blick gerät.

Eine Erfahrung aus meiner Praxis

Das Präparat sollte helfen – danach stiegen die Leberenzyme deutlich

Bei einem Patienten erhöhten sich die Leberenzyme nach Beginn eines frei verkäuflichen Mariendistel-Kombinationspräparats deutlich. Nach dem Absetzen besserten sich die Werte wieder.

Ob der Mariendistelwirkstoff selbst, zusätzliche Inhaltsstoffe, Hilfsstoffe, die konkrete Produktqualität oder ein anderer zeitgleicher Faktor verantwortlich war, ließ sich nicht zweifelsfrei beweisen.

Was ich daraus gelernt habe: Bei erhöhten Leberwerten sollte man nicht reflexartig ein weiteres Präparat hinzufügen. Zuerst gehört geklärt, warum die Werte auffällig sind.

Diese Erfahrung ist kein allgemeiner Beweis gegen Mariendistel. Sie zeigt aber, warum ich Nahrungsergänzung heute kritischer prüfe, Zusammensetzungen genau ansehe und Verlaufskontrollen empfehle, wenn ein Präparat neu begonnen wurde.

Fettleber, Gewichtsabnahme und mein Satz: „Die Leber liebt Proteine“

Eine metabolische Fettleber gehört zu den häufigsten Ursachen leicht bis mäßig erhöhter Leberwerte.

Häufig kommen Bauchfett, Insulinresistenz, Prädiabetes, Typ-2-Diabetes, erhöhte Triglyzeride, Bewegungsmangel und Schlafprobleme zusammen.

Mein Merksatz: Die Leber liebt Proteine.

Gemeint ist nicht, dass möglichst große Eiweißmengen jede Lebererkrankung heilen.

Gemeint ist: Bei einer sinnvollen Gewichtsabnahme sollte Muskelmasse möglichst erhalten bleiben. Eine ausreichende, individuell passende Proteinzufuhr, regelmäßige Bewegung und insbesondere Kraftreize helfen dabei.

Fettleber, Ernährung, Proteine und Gewichtsabnahme
Bei einer Fettleber geht es nicht nur um weniger Gewicht, sondern auch um Muskelerhalt, Bewegung und einen stabileren Stoffwechsel.

Das ist für Stoffwechsel, Insulinsensitivität und langfristige Gewichtsstabilität wichtig.

Gerade unter appetithemmenden Medikamenten kann die Nahrungsmenge deutlich sinken. Dann besteht das Risiko, dass nicht nur Fett, sondern auch Muskelmasse verloren geht.

Deshalb spreche ich mit Patienten unter Mounjaro® besonders über Proteinzufuhr, Verträglichkeit, Bewegung, Flüssigkeitszufuhr und einen kontrollierten Gewichtsverlauf.

Fettleber ist kein moralisches Versagen

Sie ist meist Ausdruck eines komplexen Stoffwechselproblems. Entscheidend sind realistische Veränderungen, die langfristig funktionieren – nicht radikale Detox-Kuren oder Schuldzuweisungen.

Aus der Praxis: Drei typische Konstellationen

Die folgenden Beispiele zeigen, warum ein einzelner Laborwert selten die ganze Geschichte erzählt. Im Alltag kommen häufig mehrere Einflussfaktoren zusammen.

Praxisfall 1

Leicht erhöhte GPT unter Statin

Der Wert ist nur gering erhöht, Bilirubin und Gerinnung sind unauffällig, Beschwerden fehlen.

Gleichzeitig bestehen Übergewicht und Hinweise auf eine Fettleber. Hier wäre es zu einfach, nur dem Statin die Schuld zu geben.

Medikament, Stoffwechsel und Verlauf müssen gemeinsam bewertet werden.
Praxisfall 2

Gamma-GT erhöht – aber kaum Alkohol

Eine Patientin trinkt selten Alkohol, nimmt aber mehrere Medikamente und ein pflanzliches Kombinationspräparat ein.

Im Ultraschall zeigt sich zusätzlich eine Fettleber. Der Befund ist damit nicht „Alkohol oder nicht Alkohol“, sondern wahrscheinlich multifaktoriell.

Praxisfall 3

Müdigkeit und auffällige Leberwerte

Müdigkeit wird vorschnell der Leber zugeschrieben. Gleichzeitig können Eisenmangel, Schilddrüse, Schlafmangel, Vitamin-B12-Mangel, Infekt oder Medikamente eine Rolle spielen.

Deshalb braucht es den breiteren hausärztlichen Blick.
Genau darin liegt der Unterschied: Nicht ein Laborwert wird isoliert behandelt, sondern ein plausibles Gesamtbild aus Beschwerden, Vorgeschichte, Medikamenten, Stoffwechsel, Untersuchung und Verlauf erarbeitet.

Alkohol und Leberwerte: wichtig, aber nicht die einzige Erklärung

Alkohol kann Gamma-GT, GPT und GOT beeinflussen und langfristig zu Fettleber, Entzündung, Fibrose und Zirrhose beitragen.

Deshalb gehört eine ehrliche Einschätzung des Konsums zu jeder Abklärung. Sie sollte aber ohne Vorwurf erfolgen.

Gleichzeitig ist eine erhöhte Gamma-GT kein Alkoholtest. Auch Fettleber, Medikamente, Gallenwegsprobleme und andere Belastungen kommen infrage.

Umgekehrt schließen normale Leberwerte einen problematischen Alkoholkonsum nicht sicher aus.

Alkohol und Leberwerte verständlich erklärt
Alkohol ist ein wichtiger möglicher Einflussfaktor, aber nicht die einzige Ursache erhöhter Leberwerte.

Weitere Patienteninformationen bietet die Deutsche Leberhilfe: Alkohol und Leber .

Müdigkeit, Leistungsknick und Konzentrationsprobleme: Nicht alles ist die Leber

Auffällige Leberwerte können parallel zu Müdigkeit auftreten, erklären sie aber nicht automatisch.

Je nach Situation lohnt sich auch der Blick auf Blutbild, Eisenstatus, Schilddrüse, Entzündung, Vitamin B12, Folsäure, Vitamin D, Schlaf und Medikamente.

Eisenmangel

Müdigkeit, Leistungsknick und Belastungsdyspnoe können durch Eisenmangel entstehen.

Mehr zu Eisenmangel

Vitamin B12, B9 und Homocystein

Bei passenden Beschwerden oder Blutbildveränderungen können Vitamin B12 , Folsäure und Homocystein sinnvoll sein.

Vitamin D und Schlaf

Auch Vitamin-D-Mangel und schlechter Schlaf können Wohlbefinden und Stoffwechsel beeinflussen.

Red Flags: Wann sollten Leberwerte rasch abgeklärt werden?

Nicht jede leichte Abweichung ist gefährlich. Bestimmte Kombinationen und Beschwerden sollten jedoch nicht aufgeschoben werden.

  • Gelbfärbung der Haut oder Augen
  • dunkler Urin oder auffallend heller Stuhl
  • starke oder zunehmende Schmerzen im rechten Oberbauch
  • anhaltendes Erbrechen oder ausgeprägte Schwäche
  • Kreislaufprobleme oder deutliche Verschlechterung
  • Verwirrtheit oder ungewöhnliche Schläfrigkeit
  • Blutungsneigung oder auffällige Gerinnungswerte
  • neu auftretende Bauchwassereinlagerung
  • deutlich erhöhte oder rasch ansteigende Werte
  • erhöhtes Bilirubin zusammen mit erhöhten Leberenzymen
  • auffällige Werte nach Beginn eines neuen Medikaments oder Nahrungsergänzungsmittels

Bei Gelbsucht, Bewusstseinsveränderung, starker Verschlechterung oder ausgeprägtem Krankheitsgefühl sollte nicht auf einen regulären Kontrolltermin gewartet werden.

So gehen wir in der Hausarztpraxis am Romanplatz vor

Wenn auffällige Leberwerte im Labor auftauchen, geht es nicht zuerst um eine schnelle Etikette, sondern um die richtige Einordnung.

Wir schauen nicht nur auf einzelne Zahlen, sondern auf den gesamten Zusammenhang: Beschwerden, Medikamente, Nahrungsergänzung, Stoffwechsel, Gewicht, Alkohol, Begleitwerte und Verlauf.

Je nach Muster können ein Verlaufslabor, ein Ultraschall, eine Hepatitisdiagnostik oder weitere gezielte Untersuchungen sinnvoll sein.

Besprechung auffälliger Leberwerte in der Hausarztpraxis
Nicht nur der einzelne Wert, sondern Vorgeschichte, Beschwerden und Verlauf entscheiden über das weitere Vorgehen.

1. Befund und Verlauf

Welche Werte sind betroffen? Wie hoch sind sie im Verhältnis zur Laborgrenze? Gibt es ältere Vergleichswerte?

2. Medikamente und Präparate

Statine, Schmerzmittel, Antibiotika, Hormone, pflanzliche Produkte und Nahrungsergänzung werden vollständig erfasst.

3. Stoffwechsel und Risiken

Gewicht, Bauchumfang, Diabetesrisiko, Blutfette, Alkohol, Bewegung und mögliche Fettleber werden eingeordnet.

4. Weitere Diagnostik

Je nach Muster folgen Verlaufslabor, Ultraschall, Hepatitisdiagnostik oder weitere gezielte Untersuchungen.

Einordnung statt Google-Unruhe

Ziel ist nicht, jeden minimal erhöhten Wert maximal zu untersuchen. Ziel ist, relevante Erkrankungen zuverlässig zu erkennen, unnötige Angst zu vermeiden und gemeinsam den sinnvollsten nächsten Schritt festzulegen.

Häufige Fragen zu schlechten Leberwerten

Was bedeutet ein erhöhter Leberenzymwert?

Zunächst bedeutet er, dass ein Enzym vermehrt im Blut messbar ist. Das kann durch Zellfreisetzung, Reizung, Enzyminduktion oder eine Erkrankung entstehen.

Es bedeutet nicht automatisch, dass die Leber ihre Funktion verloren hat.

Wie hoch ist bei GPT oder GOT zu hoch?

Entscheidend ist das Verhältnis zur oberen Referenzgrenze des jeweiligen Labors.

Eine geringe Überschreitung ist anders zu bewerten als eine fünf- oder zehnfache Erhöhung. Beschwerden, Bilirubin, Gerinnung und Verlauf sind mindestens ebenso wichtig.

Kann ein Statin die Leberwerte erhöhen?

Ja, leichte Transaminasenanstiege können unter Statinen auftreten.

Sie sind häufig vorübergehend und bedeuten nur selten eine relevante Leberschädigung. Das Statin sollte nicht eigenständig abgesetzt, sondern Nutzen, Höhe, Begleitwerte und Verlauf ärztlich bewertet werden.

Sind erhöhte Leberwerte automatisch Alkohol?

Nein. Alkohol ist eine mögliche Ursache, aber Fettleber, Medikamente, Gallenwegsprobleme, Virusinfektionen, Stoffwechselerkrankungen und Nahrungsergänzungsmittel sind ebenfalls häufige oder wichtige Auslöser.

Ist eine erhöhte Gamma-GT ein Alkoholtest?

Nein. Gamma-GT kann durch Alkohol beeinflusst werden, ist aber nicht spezifisch für Alkoholkonsum.

Auch Fettleber, Medikamente, Gallenwegsprobleme und andere Belastungen können den Wert erhöhen.

Sind Normwerte eine feste Krankheitsgrenze?

Nein. Referenzbereiche sind statistische Vergleichsbereiche und unterscheiden sich je nach Labor, Messmethode, Geschlecht und Referenzpopulation.

Ein Wert knapp außerhalb des Bereichs ist deshalb nicht automatisch krankhaft.

Warum sagt Dr. Brockmann: „Die Leber liebt Proteine“?

Der Satz soll daran erinnern, dass bei einer Gewichtsabnahme nicht nur Kalorien zählen.

Eine ausreichende, individuell passende Eiweißzufuhr und Bewegung helfen, Muskelmasse zu erhalten. Das ist besonders bei Fettleber und unter appetithemmenden Medikamenten wichtig.

Ist Mariendistel immer gut für die Leber?

Nein. Präparate unterscheiden sich in Qualität und Zusammensetzung, und Kombinationsprodukte können zusätzliche Wirk- und Hilfsstoffe enthalten.

Zunächst sollte die Ursache erhöhter Werte geklärt werden, statt automatisch ein weiteres Präparat einzunehmen.

Wie schnell normalisieren sich Leberwerte?

Das hängt vollständig von Ursache und Ausgangshöhe ab.

Nach einer vorübergehenden Belastung können Werte innerhalb von Tagen bis Wochen sinken. Bei Fettleber oder chronischen Erkrankungen dauert es häufig länger.

Entscheidend ist ein passend terminiertes Verlaufslabor.

Kann Sport Leberwerte verändern?

Intensive Muskelbelastung kann besonders GOT und andere Muskelwerte erhöhen.

Deshalb sollte vor einer Kontrolle bekannt sein, ob kurz zuvor ungewohnt intensiv trainiert wurde.

Kann eine Fettleber auch ohne erhöhten Alkoholkonsum entstehen?

Ja. Eine metabolische Fettleber entsteht häufig im Zusammenhang mit Bauchfett, Insulinresistenz, Prädiabetes, Diabetes, erhöhten Blutfetten und Bewegungsmangel.

Alkohol ist dafür nicht zwingend erforderlich.

Können Medikamente trotz normaler Dosierung die Leber belasten?

Ja. Auch korrekt dosierte Medikamente können bei einzelnen Menschen Leberwerte verändern.

Entscheidend sind individuelle Empfindlichkeit, Begleiterkrankungen, Wechselwirkungen und der zeitliche Verlauf.

Muss ich ein Medikament bei erhöhten Leberwerten sofort absetzen?

Nein. Ein eigenständiges Absetzen kann medizinisch sogar nachteilig sein.

Zunächst sollten Höhe, Beschwerden, Begleitwerte, zeitlicher Zusammenhang und der Nutzen des Medikaments ärztlich bewertet werden.

Wann muss ich sofort ärztliche Hilfe suchen?

Bei Gelbsucht, Bewusstseinsveränderung, starker Verschlechterung, Blutungszeichen, anhaltendem Erbrechen, Kreislaufproblemen oder starkem Oberbauchschmerz sollte eine dringliche medizinische Abklärung erfolgen.

Was Sie zu einem Termin mitbringen sollten

Je vollständiger die Informationen sind, desto schneller lässt sich erkennen, ob eine einfache Verlaufskontrolle ausreicht oder weitere Diagnostik sinnvoll ist.

Laborbefunde

Bringen Sie den aktuellen Laborzettel und nach Möglichkeit ältere Vergleichswerte mit.

Medikamentenliste

Notieren Sie alle verschreibungspflichtigen und frei verkäuflichen Medikamente.

Nahrungsergänzung

Auch Vitamine, Pulver, Tropfen, Tees, pflanzliche Präparate und Fitnessprodukte gehören auf die Liste.

Verlauf und Beschwerden

Hilfreich sind Informationen über Müdigkeit, Gewichtsverlauf, Oberbauchbeschwerden, Infekte, Alkohol und neue Medikamente.

Leberwerte verständlich einordnen lassen

Bringen Sie nach Möglichkeit Ihren Laborbefund, ältere Vergleichswerte und eine vollständige Liste aller Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel mit.

So lässt sich meist schneller erkennen, ob eine Kontrolle genügt oder weitere Diagnostik sinnvoll ist.

Hausarztpraxis am Romanplatz
Dr. med. Gernot Brockmann
Facharzt für Allgemeinmedizin
Romanplatz 9, Rückgebäude
München-Neuhausen/Nymphenburg

Unser Ziel: Relevante Erkrankungen erkennen, unnötige Angst vermeiden und den nächsten diagnostischen Schritt nachvollziehbar erklären.
Dr. med. Gernot Brockmann und Hausarztpraxis am Romanplatz
Persönliche hausärztliche Betreuung und verständliche Einordnung medizinischer Befunde.

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